Die Flüchtige Pracht: Wie Man Die Kostbarkeit Von Trüffeln Bewahrt

提供:鈴木広大
ナビゲーションに移動 検索に移動

Die flüchtige Pracht: Wie man die Kostbarkeit von Trüffeln bewahrt

Von unserer Gastronomieredakteurin Anna Berger


Wien, am 18. Oktober 2023 – Sie sind die Diamanten der Küche, mythologisiert, vergöttert und mit einer Aura des Exquisiten umgeben: Trüffel. Doch ihre Pracht ist ebenso flüchtig wie ihr Aroma intensiv. Die Haltbarkeit dieser unterirdischen Schätze stellt Gastronomen und Feinschmecker gleichermaßen vor große Herausforderungen. Ein falscher Handgriff, eine ungeeignete Lagerung, und binnen weniger Tage verflüchtigt sich ihr unvergleichlicher Duft – und mit ihm ihr monetärer und kulinarischer Wert. Die Kunst liegt nicht nur im Finden, sondern vor allem im Bewahren.



Die extreme Vergänglichkeit der Trüffel ist auf ihren komplexen biologischen Aufbau und ihren intensiven Stoffwechsel zurückzuführen. Anders als viele andere Pilze besitzen sie keine schützende Haut oder eine feste Struktur, die sie vor Austrocknung oder mikrobieller Zersetzung schützt. Sobald sie dem Boden entrissen werden, beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit. Ihr markantes Aroma, eine komplexe Mischung aus über hundert flüchtigen Verbindungen wie Dimethylsulfid und Androstenon, ist ihr Markenzeichen und gleichzeitig ihr Verderbnis. Diese Duftstoffe oxidieren und verflüchtigen sich unaufhaltsam, ein Prozess, der durch Licht, Wärme und Sauerstoff massiv beschleunigt wird.



"Eine Trüffel ist kein statisches Produkt; sie lebt und atmet auch nach der Ernte weiter", erklärt Dr. Felix Weber, Mykologe an der Universität für Bodenkultur Wien. "Ihr Stoffwechsel kommt nie vollständig zum Erliegen. Enzymatische Prozesse zersetzen nach und nach die inneren Zellstrukturen, was zu einem Qualitätsverlust führt, der sich sensorisch in einem muffigen, ammoniakalischen Geruch äußert." Die primären Feinde der Trüffel sind dabei klar benennbar: Zu viel Wärme fördert das Wachstum von Bakterien und Schimmelpilzen. Zu viel Feuchtigkeit macht sie matschig und schimmelig. Zu viel Sauerstoff lässt sie oxidieren. Und Licht zerstört die empfindlichen Aromamoleküle.


Die richtige Lagerung: Ein Balanceakt der Bedingungen

Vor diesem Hintergrund wird die Lagerung zur entscheidenden Disziplin. Die absolute Grundregel lautet: kühl, dunkel, trocken und luftdicht. Der beste Ort im Haushalt ist der Kühlschrank, genauer gesagt das Gemüsefach. Doch die Trüffel sollte niemals frei liegen. Die bewährteste Methode ist, sie in ein luftdicht verschließbares Glas zu legen, zusammen mit einem Küchenpapier, das die Feuchtigkeit aufsaugt. Das Papier muss täglich gewechselt werden, um Schimmelbildung zu verhindern.



Eine traditionelle und sehr effektive Methode ist die Aufbewahrung in ungewaschenem Reis. Der Reis entzieht der Trüffel die überschüssige Feuchtigkeit und konserviert sie so, während der Reis selbst das herrliche Trüffelaroma annimmt – eine Win-Win-Situation, aus der später risotto werden kann. Von der Aufbewahrung in Öl ist hingegen abzuraten. In einem luftdichten Ölbad können sich unter Umständen Sporen des Botulismus-Erregers vermehren, was ein erhebliches Gesundheitsrisiko darstellt. Soll dennoch Trüffelöl hergestellt werden, muss dieses sofort erhitzt und danach durchgekühlt werden, um die Erreger abzutöten.


Schwarze versus Weiße Trüffel: Ein Unterschied der Extreme

Ein entscheidender Faktor für die Haltbarkeit ist die Art des Trüffels. Der berühmte weiße Alba-Trüffel (Tuber magnatum pico) ist das vergänglichste Geschöpf unter ihnen. Seine zarte Struktur und seine extrem flüchtigen Aromen bescheren ihm eine maximale Haltbarkeit von sieben bis zehn Tagen unter perfekten Bedingungen. Jeder Tag, der vergeht, bedeutet einen spürbaren Aromaverlust. Ihn zu konservieren, ist nahezu unmöglich; sein Genuss ist eine Frage von Tagen, nicht von Wochen.



Ganz anders sein schwarzer Verwandter, der Périgord-Trüffel (Tuber melanosporum). Seine festere, robustere Textur und etwas stabilere Aromen ermöglichen eine Haltbarkeit von bis zu zwei Wochen. Diese relative Langlebigkeit macht ihn auch für die Konservierung interessanter. Durch einfaches Einfrieren, am besten gerieben oder in Scheiben geschnitten und portionsweise verpackt, kann sein Aroma für mehrere Monate bewahrt werden. Ein minimaler Qualitätsverlust ist dabei in Kauf zu nehmen, doch für Saucen und Kochstellen ist die gefrorene Variante eine ausgezeichnete Alternative.


Der Blick in die Zukunft: Innovative Konservierungsmethoden

Die Wissenschaft arbeitet intensiv an Methoden, die Kostbarkeit länger genießbar zu machen. Neben der Gefriertrocknung, bei der den Trüffeln schonend sämtliche Feuchtigkeit entzogen wird, rückt eine neue Technologie in den Fokus: Uncinatum-Trüffel die Hochdruckbehandlung (HPP). Dabei werden die verpackten Trüffel einem extrem hohen hydrostatischen Druck ausgesetzt, der unerwünschte Mikroorganismen abtötet, ohne dass Hitze die Aromen zerstört. Diese Methode kann die Haltbarkeit signifikant verlängern, ohne sensorische Einbußen.



Doch für Puristen wird die frische Knolle unantastbar bleiben. "Der Genuss einer frischen Trüffel ist ein zeitliches Kunstwerk", sagt Sternekoch Maximilian Hofbauer. "Sie zahlen nicht für das Gewicht, sondern für den Moment. Man kann ihren Verfall nicht aufhalten, nur verlangsamen. Das macht sie so kostbar und den Augenblick, in dem sie über die Pasta gehobelt wird, zu etwas absolut Einmaligem."



Letztendlich ist der sorgsame Umgang mit der Trüffel die größte Wertschätzung. Ihr kurzes Leben nach der Ernte zwingt uns, im Hier und Jetzt zu genießen – eine kulinarische Lektion in Vergänglichkeit und der Konzentration auf das Wesentliche: den unbeschreiblichen, flüchtigen Moment des perfekten Aromas.